WAS IST GLÜCK? … TEIL 3

Aber zurück zur eigentlichen Frage: Was ist Glück?

Sind wir denn tatsächlich glücklich? Ich kann mir das kaum vorstellen, da ich fast jeden dritten auf der Straße, in der S-Bahn, in der Stadt, im Fernsehen oder sonst wo, eigentlich egal, jammern und meckern höre. Die Gesichtsausdrücke vieler Leute hier in Deutschland sind meist recht finster und ernst. Ein Lächeln kann ich kaum jemanden entlocken.

Ich frage mich dann immer wieder, was diesen Menschen nur widerfahren ist, damit sie so ein Gemüt an den Tag legen. Das ist nicht beleidigend gemeint, nur macht es mir etwas Sorge, und teilweise auch Angst, weil ich mein Gegenüber absolut nicht einschätzen kann. In der Öffentlichkeit wird nur noch wenn es unbedingt notwendig ist miteinander gesprochen, Wünsche oder Anfragen werden nur noch per Formular an irgendwelche Unternehmen oder Behörden geschickt, eine Abmachung gilt nur wenn alle Parteien unterschrieben haben.

Gerade schwirrt mir der Song von Andreas Bourani „Auf uns“ durch den Kopf. Und den haben wir alle lautstark bei der WM mitgesungen. Aber können wir denn nur im Fußball bei der WM auf uns stolz sein, ein „Hoch auf uns“ singen, um einmal deutlich zu zeigen, wer wir sind und was wir können? Dürfen wir denn nicht auch auf andere Dinge und auf so viel mehr stolz sein? Nein, stolz auf uns selbst, als Einzelnen gesehen, vielleicht, aber als ein Volk? Als ein Land? Ich werde mich hier nicht rechtfertigen dafür, dass ich auch gerne mal mit Stolz sagen will, ich komme aus Deutschland, ohne dabei gleich Angst haben zu müssen, von den Einheimischen als Nazi angesehen zu werden, oder mich vor anderen Ländern verstecken zu müssen. Wir werden im Ausland oft gelobt, für unsere Arbeitsweise, unsere Wirtschaft, unsere Technik, Effizienz. Was ist daran bitte falsch, das auch mal im Land selbst zeigen zu wollen. Macht uns das alle zu Nationalsozialisten? Ich glaube kaum. Jedes andere Land schwingt mit Eifer die Flaggen, nur wir nicht.

Ich habe das Gefühl, wir schränken uns selbst mit so vielen Regeln und Gesetzen, Verboten, ein, dass wir vergessen haben, was es bedeutet die freie Entscheidung zu haben, was wir aus unserem Leben alles machen können oder könnten. Und dann fällt mir auch wieder der Satz: „Das ist einfach so und nicht anders.“ (den übrigens auch Maike van den Boom in ihrem Buch benutzt) ein. Viele verlassen ungern ihre Komfortzone, denn dann müssten sie sich ja auf andere auch einlassen. Lieber bleiben die Meisten in ihrem eigenen kleinen Rasterfeld in diesem überdimensionierten, vorgefertigten „Sein“. Denn sich aus diesem Raster raus zu bewegen würde ja bedeuten, dass sie sich weiterentwickeln und über den Horizont hinaus sehen müssten. Es tut mir wirklich leid, dass ich jetzt grade mal so die Wahrheit mit großem Schwung auf den Tisch knalle, aber ganz ehrlich: Deutschland ist verbohrt, grau in grau, kleinkariert, und engstirnig. Zumindest kommt mir das so vor. Ich bitte nochmals um Entschuldigung, aber manchmal platzt es irgendwann einfach aus mir heraus, und so langsam bekomme ich den Eindruck, wenn wir in naher Zukunft nicht mal anfangen, Klartext miteinander zu reden, und uns um unsere gemeinsame Zukunft als Gesellschaft, als Land, als eine Bundesrepublik Deutschland, Gedanken zu machen, dann fliegt uns alles um die Ohren, was unsere Vorfahren mit ihrer letzten Kraft, mit Schweiß und Blut (und das meine ich grade nicht nur wörtlich) aufgebaut haben.

Ich gebe offen zu, zur Zeit fühle ich mich in Deutschland nicht so ganz wohl. Weil ich jemand bin, der gerne aus der Reihe tanzt, auch mal andere Blickwinkel und den Kontakt zu anderen Menschen sucht. Ich freue mich gerne mit anderen, wenn sie eines ihrer Ziele erreicht haben, rede auch lieber in der S-Bahn mit anderen, als diese Totenstille, die dort teilweise herrscht, jeden Tag ertragen zu müssen. Und nein, Musik hören macht das nicht unbedingt besser, denn da grenze ich mich auch wieder nur ab. Mir würde es so viel Freude bereiten, wirklich mit ansehen zu können, wie wir einen Schritt nach dem anderen auf eine gemeinsame, gesellschaftliche und sozialere Zukunft zugehen, aber leider bewegen wir uns geradewegs auf einen Abgrund zu, vor dem uns so viele warnen.

Wir könnten allgemein auf der Glücksskala etwas besser abschneiden, wenn wir aufhören würden uns immer nur in der Egoperspektive zu bewegen und einfach mal auch die Peripherie wahrnehmen. Weniger Ego, weniger Ellenbogen, weniger Ernst, weniger Schnell, weniger Stress, weniger Hektik. Mehr Menschlichkeit, mehr Wärme, Freundlichkeit, Kameradschaft, Respekt (und da meine ich nicht den Respekt vor irgendwelchen Titeln oder dergleichen, sondern Respekt dem Menschen gegenüber), Gemütlichkeit. Ich glaube ihr versteht auf was ich hinaus will.

Ich habe keine Ahnung, wie glücklich jeder Einzelne hier in Deutschland tatsächlich ist, aber vielleicht geht es nicht nur mir so, dass mit dem sich Sorgen machen und unverstanden fühlen.

Wir müssen, wenn wir uns als ein gemeinsames Land sehen wollen, auch zusammenarbeiten, das geht gar nicht anders.

Wie geht es euch dabei? Seid ihr glücklich? Was denkt ihr, mach Glück aus? Und können wir es schaffen, in dieser „World Database of Happiness“ einen Rang oder zwei aufzusteigen?

Wäre das nicht was tolles?

Find ich schon. Weil für mich ist Glück, dass ich gesund bin, meine Familie und Freunde um mich habe, meine Hobbys machen kann, einen Job habe, und mein Leben doch eigentlich so gestalte wie ich es gern habe. Jetzt fehlt nur noch dieses richtige Heimatgefühl. Ich glaub dann bin ich richtig glücklich. Wenn ich voller Stolz sagen kann und darf, ich bin Deutsche.

In einem glücklichen Deutschland.

Eure Mel von ichmachmalgruen

P.S.: Danke an Maike van den Boom, dass sie mir mit ihrem Buch gezeigt hat, dass nicht nur ich so denke. Noch bin ich nicht ganz durch, aber nur noch ein paar Fahrten mit der S-Bahn zur Arbeit und nach Hause. Dann weiß ich ja vielleicht welchen Rat sie tatsächlich an uns Deutsche weitergeben kann. Oder welche Tipps die Menschen der glücklichsten Länder der Welt für uns haben. 🙂

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