MEIN NEUES ICH…ODER DER LANGE WEG DORTHIN

Die letzten Wochen waren extrem. In jeder Hinsicht. Gefühle, Hoffnungen, Träume, Pläne, Gedanken. So Manches habe ich gesagt und gewagt, bei anderen Sachen hab‘ ich immer noch nicht den Mumm dazu, sie tatsächlich durch zu ziehen. Oder auch einfach nicht das Geld dazu. Oder die Zeit. Aber ich geh‘ mit tapferen Schritten in eine Zukunft, die, für mich, oder in diesem Falle uns (damit meine ich auch meine Partnerin), teilweise noch sehr ungewiss ist.

Was hab‘ ich davon? Warum denk‘ ich nich‘ drüber nach? Und warum mach‘ ich mir keine Sorgen?

Ganz einfach. Ich lass‘ es tatsächlich einfach auf mich zukommen. Mein Leben hat sich in den letzten Monaten extrem verändert.

Mein Idol, mein Superman, mein Held…Mein Vater. Er hat den Kampf gegen eine Krankheit verloren, die so schnell kam, und ihn, leider doch, so schnell dahin gerafft hat. Er fehlt mir. Unheimlich. Manchmal realisiere ich noch gar nich‘ richtig, dass er nicht mehr da ist. Keine Gespräche mehr mit ihm führen kann, über einfach alles, was mich, oder ihn bewegt. Seine Stimme, die mir immer wieder auf die gedanklichen, psychischen Beine, geholfen hat. Sein Lachen, das so oft und so klar den Raum und seine Umgebung mit Heiterkeit und Freude erfüllt hat. Seinen Enthusiasmus, wenn er etwas Neues entdeckt hat, dass ihn anspornt, oder begeistert. Seine Genialität, wenn es um Technik ging. Und die tiefgründigen. philosophischen Gespräche, die wir bis in die Morgenstunden hätten führen können. Seinen Kindskopf. Das Leuchten in seinen Augen. Die Lebendigkeit. Seine inbrünstige Lebendigkeit. Er war immer da, für jeden, der ihn gebraucht hat. Er war ein außergewöhnlicher Mensch. Ein außergewöhnlicher und derart liebevoller Vater. Während ich das hier schreibe, kann ich die Tränen nicht zurückhalten. Auf einen Schlag ist derjenige weg, von dem doch so viel in mir steckt. Mein Papa. Er war mein Held.

Gleichzeitig die ewige Suche nach meinem Selbst, meinem Ich. Auf und Ab. Um Berge herum, oben drüber, mitten durch. Hab‘ mich durch sprichwörtliche Betonmauern gepflügt und wurde jäh von einem Grashalm umgehauen. Wer bin ich? Wo will ich hin? Mit wem? Warum mach‘ ich mir auch so viele Gedanken. Es hat, so finde ich, eh keinen Sinn. Loslassen, losrennen, ohne wenn und aber. Die Sicherheitsleinen wegwerfen und mit kindlicher Neugierde in eine Welt eintauchen, die mir in den vergangenen Monaten so viel von ihr gezeigt hat. Ich hab‘ viele Träume, Wünsche, Pläne. Wer hat das nicht. Aber ist es nicht auch irgendwann an der Zeit, nicht nur zu planen, sondern auch einfach mal zu machen? Eines der letzten Dinge, die mein Papa zu mir gesagt hat war:

„Lebe Deinen Traum, Melanie. Lebe ihn einfach. Jetzt hast Du die Kraft und den Mut dazu. Es ist egal wie alt Du bist, aber warte nicht zu lange. Mach. Wenn Du dir sicher bist, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, dann ist er das. Lass Dir deinen Traum nicht durch die Finger rinnen. Du hast nur dieses eine Leben und das ist nur solange ein tolles Leben, solange Du sagen kannst, Du hast das erreicht, was Du dir immer vorgestellt hast. Sei glücklich. Sei stolz. Sei Du selbst. Dein Leben kannst nur Du leben, niemand anderes.“

Mein Job, mein Beruf. Er hat mich viele Jahre sehr viele Nerven gekostet. Grafik-Design. Ich liebe diesen Beruf. Sonst hätt‘ ich ihn nicht gelernt. Aber die Ausbildung war, naja, traditionell. Ich find‘ das extrem gut. Andere denken sich, ich hätt‘ deswegen nicht drauf. Hab‘ an einem Berufskolleg gelernt. In einer Schule. Ohne Studium. Ohne den Dipl. oder Bachelor. Keine Zertifikate, keine Abschlussarbeiten, keine Awards. Warum auch. Ich weiß was ich kann. Mittlerweile. Und ich weiß wer ich bin. Mittlerweile. Und das hab ich jetzt sogar auch schwarz auf weiß! Von wem, verrat‘ ich hier nicht. Aber sie sind gut. Sehr, sehr gut. Achtzig Bewerbungen hab‘ ich geschrieben, in knapp einem dreiviertel Jahr. Alles Absagen.

Dann hab‘ ich, durch ein Gesuch, eine Anfrage erhalten. Und mich an den Rechner gesetzt, die alte Bewerbung gelöscht, einen neuen Text verfasst. Siehe da. Ich hab‘ nen Job. Ende der Achterbahnfahrt, die die letzten Wochen nur bergab ging. Jetzt geht’s aufwärts. Und ich freu mich wie irre.

Dreadlocks, ich hab‘ mir Dreadlocks machen lassen. Sie stehen mir unheimlich gut. Einer meiner ersten richtig gewagten Schritte zu meinem neuen Ich. Und ich mach weiter. Mein Kleidungsstil ist lässiger, auch mehr ich. Pluderhosen, Haremshosen, egal wie sie heißen, aber bequem müssen sie sein, individuell, kunterbunt, wie ich eben.

Altes Zeug schmeiß‘ ich raus. Verkaufe es oder verschenk‘ es an Menschen, die mehr Bedarf dran haben. Es wird rigoros ausgemistet.

Ich denk drüber nach, was ich an meinem Leben ändere, klinke mich immer wieder aus der hektischen Onlinewelt aus und bin einfach mal nur im Jetzt.

Ach ja, nicht drüber aufregen, wenn die Zusammenhänge hier vielleicht keinen Sinn ergeben. Es sind Gedanken, die einfach mal den Weg auf’s „Papier“ finden mussten. Mein Papier, oder Buch, ist mein Blog.

Ich mache mir keine Sorgen mehr, was die Zukunft bringt, weil ich weiß, ich hab‘ meine Partnerin an meiner Seite, mich selbst, auch wenn es noch ein weiter Weg zu meinem wahren Ich ist, einen Job, ein Dach über dem Kopf, was zu essen, und viele Dinge, die ich mittlerweile als Luxus bezeichne.

Mein Rat ist. Verzweifelt nicht beim Versuch jemand zu sein, der ihr nicht seid. Steckt die Energie lieber in das „Ich“, das euch Freude bereitet. Bleibt euch selbst treu und euch gegenüber ehrlich. Lügt euch nicht an. Das geht nach hinten los.

In diesem Sinne
ichmachmalgrün

1 Kommentar

  1. Danke dafür (-:

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