ICH HÄTTE AUCH STUDIEREN KÖNNEN…

…wollte ich aber nicht. Und warum das? Weil ich schon immer faul war und Fächer, deren Inhalt ich für mich unwichtig empfand schlichtweg durchgeträumt habe. Viele fragen sich, warum ich mir meine Zukunft so verbaut habe. Hätt‘ einfach mehr lernen und mich anstrengen sollen. Klar, hätt‘ ich machen können, mich stundenlang im Nachhilfeunterricht durch die für mich eh schon schwierigen Unterrichtsstoffe zu quälen, nur um im Nachhinein festzustellen, dass ich schon immer einen kreativen Beruf ausüben wollte. Ich hätt’s Abi machen können, um Grafik-Design an einer Uni, anstatt an einer Berufsschule zu erlernen. Auch das ist richtig.

Aber mal eine ganz gezielte Frage an alle die glaube Studium ist Alles, Ausbildung ist Nichts. Kann man Talent studieren? Oder hat man das einfach?

Ich musste über die letzten Jahre hinweg feststellen, dass Studierte in meiner Branche meinen, sie seien „the best“, egal wie alt die sind, oder wann sie ihren Abschluss gemacht haben, und einen von oben schief anschauen, wenn man ihnen erklärt, dass das, was sie grad von sich geben, absoluter Stuss is‘. Ich hab die verschiedensten Branchen und Berufe durch, hab das Arbeitsleben mal ganz anders kennengelernt. Mein Papa meinte immer, ich soll mich nicht stressen lassen, schließlich habe er auch so einige Arbeitsstellen und Berufe durchgemacht, um dann mit knapp 40 endlich an einen Job zu kommen, mit dem er zufrieden war, und in dem er wachsen konnte.

Während meiner Ausbildung hab‘ ich die Fachhochschulreife nachgeholt. Hätt‘ also die Chance gehabt zu studieren. Warum also hab‘ ich die nicht genutzt.

Weil mir das theoretische Lernen und langsame Arbeiten an Schulen einfach auf die Nerven geht. Im Berufsleben hat keiner mehr Zeit, oder anders, keiner nimmt sich mehr die Zeit, seine Aufgaben ruhig und mit Bedacht auszuüben. Die Agenturen und Kunden wollen immer schneller Ergebnisse sehen und immer weniger für die genutzte Zeit und Arbeitsstunden bezahlen. Wie also kann es sein, dass an Berufsschulen oder dergleichen für ein Projekt, dass in Agenturen innerhalb von maximal 2 Wochen abgefertigt wird, mehr als 2 Monate ins Land gehen. Natürlich ist es richtig, dass wir Neulinge uns erst mal an Arbeitsweisen und die Technik, sprich den Mac oder PC, herantasten müssen. Aber dafür ist es später im richtigen Berufsleben hammerhart, wenn wir dann ins kalte Wasser geworfen werden. Weil, da haben wir für ein Logo vielleicht eine Woche Zeit, wenn nicht sogar noch weniger.

Dann hätt‘ ich doch auch an einer Agentur meine Ausbildung machen können. Auch richtig. Nur da ist es bewiesen, ich hätt‘ mehr gelernt mit der Kaffeemaschine umzugehen und immer wieder die gleichen kleinen Aufgaben erledigt, als dass ich mich mal mit an die größeren Projekte hätte trauen dürfen.

Und dafür war und ist mir mein Talent zu schade. Wie gesagt, ich hab‘ diverse Berufe durch, von der Arbeit an der Kasse, bis hin zur Produktionshelferin im Pharmabereich. So unterschiedlich die Jobs auch waren, alle hatten eines gemeinsam. Den Stuss den die Leute von sich geben. Das mag mir natürlich persönlich einfach nur nicht gefallen, aber ich bin einfach nicht dumm, und ich habe auch keine Lust mich dumm zu machen, nur um nicht aufzufallen und „gute Arbeit“ zu leisten. Ich hatte noch nie ein Problem damit, anderen, und auch meinem Vorgesetzten, meine ehrlich Meinung zu sagen, wenn ich fundierte Beweise für meine Ansicht habe. Ich bin eigenständig, eigensinnig, will Neues ausprobieren und schlage immer wieder neue Wege ein um meinen eigenen Weg gehen zu können, um Arbeitsweisen zu optimieren oder sogar gänzlich zu verändern.

An den deutschen Schulen und Unis gibt es ein Problem. Viele verschiedene Menschen versuchen auf die gleiche Weise ans Ziel zu kommen. Der gleiche Stoff, die gleichen Stunden, die gleichen Interessen. Diversität wird schon in der Grundschule leicht unterbunden, aber sobald man in die höheren Schulen kommt, wird sie einem sogar fast aberzwungen.

Meine Meinung über die graue Masse, die täglich in Deutschland zunimmt, bleibt bestehen. Sich abzugrenzen und andere Wege zu gehen, bedeutet, sich auf steile Berge und große Hürden einzustellen.

Warum ich das hier aber überhaupt schreibe. Heute hab‘ ich einen Artikel gelesen, in dem eine junge Personalberaterin erzählt, warum sie den Beruf ausübt, und warum sie sich so anstrengt. Geld. Es geht ihr nur ums Geld. Sie mag einen Hund haben, laut des Artikels hat sie einen, und am Wochenende gerne mit ihren Freunden einen drauf machen. Aber.

Zehn bis elf Stunden täglich arbeiten. Jeden Tag noch mehr Leistung bringen, mit dem eigenen Hund nur am Wochenende rauszugehen und sich kaputt schuften, nur damit man sich Luxusgüter leisten kann.

Das ist nicht mein Leben. Mein Leben habe ich um zu leben. Das Geld erleichtert mir das nur. Ich bin anders gestrickt. Luxus brauch ich nicht.

Und wie viele machen sich ihr Leben damit kaputt, das zu studieren, was ihnen am Ende ein fettes Gehalt gibt. Geiles Gehalt, beschissenes Leben. Wie nennt man das Jet-Set? Immer erfolgreicher, immer steiler die Karriereleiter hoch. Und dann? Was ist, wenn ihr dann am Ende der Leiter angekommen seid und zurückblickt. Hat das Spaß gemacht?

Mir würde das keinen Spaß machen.

Nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Beruf, und auch ich mag es erfolgreich zu sein. Aber ich bin keine Rampensau. Ich brauch keinen Luxusschlitten, kein teuren Klamotten, keine Villa. Keinen Hund um so zu tun, als hätte ich ein Hobby, keine Verabredungen nur am Wochenende.

Studieren hat für mich einen Nachgeschmack des „Sich-Verkaufens“. Studierte sind intelligenter, talentierter, bekommen besseres Gehalt, sind erfolgreicher.

Ich sage dazu, ein Scheiß.

Intelligenz kann man nicht studieren, Talent kann man nicht studieren, Gehalt erst recht nicht und Erfolg sowieso nicht.

Das sind Dinge die man entweder hat, oder aber sich verdient.

Studieren kann jeder. Aber Können haben nur wenige.

Leben tun nur die wenigsten.

Ich machs einfach.

Mal soviel dazu.

 

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